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Transhumanisten als Zukunftsexperten?

Der NZZ-Journalist Thomas Wagner hat das Buch "Life 3.0" von Max Tegmark gelesen und kommentiert im Feuilleton vom 8. Februar 2018 dessen Thesen. Der Science-Fiction Film #Elysium hat dieses Thema bereits 2013 gesellschaftskritisch beleuchtet.


Hier seine Kritik im Beitrag:


Vor diesem Hintergrund ist es mehr als besorgniserregend, dass ausgerechnet die von Superreichen alimentierten Transhumanisten im öffentlichen Diskurs als unabdingbare Experten für wichtige Zukunftsfragen gehandelt werden. Nick Bostrom sprach vor dem

britischen Oberhaus, auf der Computermesse Cebit und 2013 in der Sendung «Sternstunde

Philosophie» im Schweizer Fernsehen. Die Mitarbeiter seines Future of Humanity Institute beraten das EU-Parlament, und der Volkswagen-Konzern schickt seine Mitarbeiter, die für sogenannte Zukunftstechnologien fit gemacht werden sollen, zu Schulungen in die von dem Futuristen Ray Kurzweil mit Google-Geldern gegründete Singularity University. Der Guru der transhumanistischen Bewegung macht gar kein Hehl daraus, dass er daran arbeitet, buchstäblich unsterblich zu werden. Sollten Regierungen, Unternehmen und Parlamentarier auf die Ratschläge der Transhumanisten hören, wäre Gefahr im Verzug. Denn wer glaubt, dass sich alle Umweltschäden in Kürze durch Nano-Bots reparieren lassen, muss sich um so profane Dinge wie die Zerstörung des Regenwaldes oder die Verseuchung des Grundwassers keine Sorgen mehr machen. Ein schonender Umgang mit den natürlichen Ressourcen ist in dieser Perspektive nicht notwendig. Es wäre daher ein existenzielles Risiko, die Bewertung der durch künstliche Intelligenz bewirkten Gefahren ausgerechnet den

Transhumanisten zu überlassen. Stattdessen sind zwei Dinge notwendig:

Zum einen gehört die Verflechtung von transhumanistischen Netzwerken, Digitalwirtschaft und Forschungsinstituten kritisch beleuchtet. Zum anderen muss ein Gegengewicht geschaffen werden, indem deutlich mehr öffentliche Gelder in eine von der Privatwirtschaft

unabhängige Expertise fliessen. In einem Punkt haben die Transhumanisten nämlich

recht: Die Analyse der Risiken künstlicher Intelligenz ist eine wichtige Aufgabe. Wer jedoch die Überwindung der menschlichen Biologie zwecks Weltraumeroberung als vordringlich ansieht, dem dürfte das ethische Rüstzeug fehlen, um sie zu erfüllen. Max Tegmark proklamiert: Die Menschheit habe die «moralische Verantwortung», das Universum

zum Leben zu erwecken, damit dieses «sich allmählich seiner selbst bewusst wird». Bei so viel Hybris kann einem angst und bange werden.


Thomas Wagner ist Kultursoziologe und Publizist, zuletzt sind von ihm zwei Bücher zu

Digitalfragen erschienen: «Das Netz in unsere Hand! Vom digitalen Kapitalismus zur Datendemokratie» (2017) und «Robokratie. Google, das Silicon Valley und der Mensch als Auslaufmodell» (2015).

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