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  • AutorenbildZilti

Animismus - und was das mit Robotik zu tun hat

Auf meiner Reise durch Japan habe ich den Robotik- und KI-Forschern immer die selbe Frage gestellt: "Wo auf dem Diagramm von Masahiro Mori würden Sie Ihre Technologie bzw. Ihre Roboter positionieren?"



Interessanterweise haben die befragten Forscher die Frage gar nicht richtig verstanden, bzw. in der Not immer die sehr hohe "familiarity" angegeben. Erst im Gespräch mit Professor Minoru Asada ist mir aufgegangen, dass diese Frage für Japaner ziemlich "unverständlich" ist. Dies hat zwei Gründe: 

Erstens: Viele Japaner haben animistische Weltanschauung, was in wenigen Worten übersetzt eine "Allbeseeltheit" (erverything has a soul) bedeutet. In der europäisch geprägten Phänomenologie sind Geist und Gegenstand von einander getrennt. In der japanischen Kultur ist dies hingegen nicht so, sprich Dinge und Geist sind miteinander verbunden. Wenn Roboter also einen Geist haben, so wie auch der Mensch, dann ist der Geist in sich gleich, nur die objektive Erscheinung im Diesseits unterscheiden sich. Das Chart mit dem "uncanny valley" impliziert aber genau diese Unterscheidung in der allgemeinen Weltanschauung. Also "wir Menschen" und "alles andere". Somit ist es mehr als nachvollziehbar, dass "familiarity" eine völlig andere Bedeutung für einen animistischen Japaner hat, als für einen humanistischen oder (mono-)theistischen Europäer. 

Zweitens: Das Chart impliziert eine rein statische Perspektive. Es zeigt also nur eine Momentaufnahme, und zwar den Moment, bei dem Menschen mit der Robotik das erste Mal in Kontakt treten. Ebenso erging es mir, als ich zum Beispiel durch den Telenoid hindurch ein telepräsenzgestütztes Interview mit Herrn Akihiro Nakao (Founder) geführt hatte. Es fühlte sich irgendwie unheimlich an, wenn man mit einem Menschen durch einen Roboter hindurch ein Gespräch führt. Ähnlich erging es mir aber auch, als ich zu Hause meinen ersten Staubsauger-Roboter installiert hatte. Minutenlang habe ich ihn damals beobachtet, wie er das jetzt genau macht. Wo fährt er durch, wo nicht? Was passiert nun aber, wenn wir mit der selben Robotik mehrfach und wiederholt in Berührung kommen? Hier erkennen wir sogleich den zweiten Grund für die "Unverständlichkeit". Mit zunehmender Interaktion zwischen Mensch und Robotern füllt sich das "uncanny valley" nämlich langsam mit Erfahrungswissen auf, dass das Unwohlsein mit jeder Interaktion reduziert. Ähnlich erging es mir mit meinem Staubsauger-Roboter. Inzwischen ist er voll integrierter Bestandteil unserer Haustechnik und niemand beachtet in noch, wenn er seine Runden dreht.

Die Forschung von Professor Hiroshi Ishiguro zielt genau auf diesen Effekt ab. Wie können die Kommunikationsbarrieren zwischen Mensch und Maschine möglichst schnell reduziert werden, indem wir die Maschinen so menschenähnlich wie nur möglich gestalten. In animistischen Kulturen macht das vermutlich auch völlig Sinn, denn die familiarity ist eh schon - zumindest im Jenseits - gegeben, so dass es gar nie "uncanny" wird. Vermutlich würde sich dies auch bei einem humanoiden Staubsauger sich nicht viel anders verhalten.


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