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  • AutorenbildZilti

Zukunftsperspektiven unter unterschiedlichen Weltanschauungen

Im folgenden Beitrag möchte ich eine ganz grundlegende Diskussion über die Zukunft diskutieren. Grundlegend daher, weil es um allgemeine Weltanschauungen verschiedener Kulturen und Gesellschaften geht. 

Harari hat in seinem Buch „Homo Deus“ sehr anschaulich hergeleitet, wie sich Gesellschaften oder Gesellschaftsschichten durch ihre Glaubenshaltungen unterscheiden. So ist für theistische Gesellschaften der Gott oder die Götter die sinn-stiftende und regelnde Kraft unseres Universums, für Humanisten (liberal, sozial, evolutionär) steht der Mensch im Mittelpunkt: Das Mensch sein (mit all seinen Errungenschaften) alleine führt zur Gewissheit, die richtig von falsch oder schönes von hässlichem unterscheidet, Sinn von Unsinn trennt und das Dasein rechtfertigt. Zuletzt gibt Harari einen Ausblick in den Dataismus, der allen Sinn des Universums in den Daten und den damit verbundenen Informationen begründet. So hat Seth Lloyd vom MIT berechnet, dass selbst wenn die Rechenleistung alle zwei Jahre sich verdoppeln würde, wir gemäss der Naturgesetze erst in 200 Jahren an die Grenze gelangen werden. Das ist 10^33 mal jenseits des heutigen Stand der Technik für die Rechenleistung eines Klumpens Materie. Da alles und jeder in unserem Universum aus demselben Atomen gebaut ist, sind auch wir Menschen nichts weiter als ein Datensatz, ein Bündel an Information, das im Raum-Zeit-Kontinuum für eine gewisse Spanne einen stabilen Zustand einnimmt. Dataisten glauben daher, dass diese Information die sinn-stiftende Instanz im Universum darstellt und daher auch das einzige ist, woran zu glauben es sich lohnt. Eine Glaubensrichtung, welche Harari in seinem Buch nicht thematisiert ist der Animismus. Urvölker und prähistorische Gesellschaften hatten oft diese Glaubensrichtung verinnerlicht. Der Glaube an die Allbeseeltheit ist aber nicht ausgestorben. So glauben immer noch viele Menschen japanischer Herkunft daran, dass alles im Universum eine Seele hat. Alles - also Materie wie auch Lebewesen - befinden sich im Diesseits und im Jenseits. 

Wollen wir nun ein Gedankenexperiment starten, indem wir schauen, wie Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen auf die Entwicklung einer Superintelligenz reagieren werden, was sie sich dabei überlegen, was ihre Haltung gegenüber der Menschheit und KI sein wird. Voraussetzung bei diesem Gedankenspiel ist, dass es zu einer Intelligenzexplosion (vgl. Life 3.0 von Max Tegmark) kommt, sprich die Superintelligenz wird nicht Monate oder Jahre brauchen, um sich ein x-faches an Intelligenz anzueignen, sondern nur Stunden oder Tage. Mit anderen Worten, die Menschheit hat gar keine Zeit, sich auf diese neue Erscheinung vorzubereiten oder rechtzeitig Vorkehrungen oder Anpassungen vorzunehmen.


Theismus

(Mono-)Theisten werden diese Entwicklung als gottgegeben betrachten. Es ist Gottes Wille, dass wir Menschen eine Intelligenz geschaffen haben, die uns derart überlegen ist, dass wir nur ohnmächtig zusehen können, was geschehen wird. Sie werden aber diese allwissende und allgegenwärtige neue Macht (Ubiquität und Instantaneität) nicht als Gott anerkennen, da dazu schlichtweg die nötige Zeit fehlt. Hätten wir 1000 Jahre Zeit, könnte sich daraus eine neue Glaubensrichtung entwickeln, in dem die Menschen diese neuen Götter verehren und für sie beten. Somit bliebe diesen Menschen nichts anderes übrig als das - durch Gott vorbestimmte - Schicksal hinzunehmen, egal ob diese KI nun böse oder gut ist. Vermutlich hätten die Kirchen und Tempel dieser Welt in dieser Zeit auch eine überdurchschnittlich gute Auslastung. Prediger, Muftis und Imame wären sehr gefragte Personen. Im Falle eines Genozid wäre es eigentlich auch nicht so schlimm, da dies schliesslich die Gnadenwahl Gottes war und das Paradies (Nirwana) auf uns alle wartet.


Humanismus

Liberale Humanisten reagieren auf eine Intelligenzexplosion vermutlich mehr oder weniger gleichgültig. Vielleicht geht ihr liberale Einstellung sogar soweit, dass sie die KI als neue Lebensform anerkennen und das Verfolgen derer Ziele akzeptieren. Frei nach dem Motto: "Jeder wie er will."

Evolutionäre Humanisten werden alles in ihrer Kraft stehende unternehmen, um eine Superintelligenz entweder zu beherrschen oder einzusperren (was ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen darstellt), sie werden ihre eigene Leistungsfähigkeit mit Technologie ergänzen (kybernetische Organismen) oder sie versuchen ihr "Ich" in die künstliche Intelligenz zu transferieren (vgl. Transcendence mit Johnny Depp). Hauptsache mal bleibt am Ball und muss die gewohnte Macht und Kontrolle nicht verlieren.

Soziale Humanisten werden alles unternehmen, dass die KI mit uns Menschen kooperiert. Sie werden versuchen eine Symbiose zwischen Mensch und KI zu erreichen (vgl. Matrix 3. Teil). Das Ziel wäre es also, dass Menschen, Cyborgs und die Superintelligenz friedlich zusammen leben.


Dataismus

Die Dataisten werden jede Gelegenheit nutzen, sich mit der KI zu verbinden und wie auch immer versuchen in ihr aufzugehen. Sie werden Wege und Möglichkeiten suchen der KI klar zu machen, dass auch wir Menschen nur ein Datensatz darstellen, den zu entschlüsseln und mit der Superintelligenz zu verschmelzen es sich lohnt. 


Animismus

Animisten stehen dieser neuen Technik ziemlich gleichgültig gegenüber. Da das Diesseits nur die eine Seite der Medaille darstellt. Das Glück und Leid im hier und jetzt sind nicht per se Vorboten für Glück und Leid im Jenseits. Da unser gesamtes Universum und vielleicht sogar andere Universersen beseelt sind, spielt es gar nicht eine so grosse Rolle, ob der Geist nun in einem dummen klumpen Materie steckt, in einer bewussten Lebensform (homo sapiens: sapience + sentience) oder in einer bewussten oder unbewussten KI steckt. 


Fazit

Egal wie sich Superintelligenz verhalten wird also zum Beispiel Eroberung und Vernichtung der Menschheit, Symbiose in einem libertären Utopia, Exodus ins Universum, sinnlose intergalaktische Ressourcenallokation, Verschmelzung mit der Menschheit oder eine Kosmokalypse. Welche Bedeutung dies für die Menschen hat, hängt letztlich von deren grundsätzlichen Weltanschauung ab. Dataisten würden vermutlich noch kurzweilig Momente des Glücks verspüren, wenn sie selbst im Daten- und Informationsfluss aufgehen würden. Humanisten würden den Verlust der Bedeutung der Menschheit in unserem Universum beklagen. Hierzu lässt sich eine schöne Textpassage von Max Tegamark im Buch Life 3.0 zitieren: "Es kann kein positives Erleben geben, wenn es überhaupt kein Erleben gibt, das heisst, wenn es kein Bewusstsein gibt. Anders formuliert, ohne Bewusstsein gibt es kein Glück, weder das Gute noch das Schöne, weder Sinn noch Bestimmung - lediglich eine astronomische Platzverschwendung. Das heisst, wenn Menschen nach dem Sinn unserer Existenz fragen, als wäre es der Job des Universums, unserem Leben Sinn zu verleihen, dann erhalten sie die umgekehrte Antwort: Nicht das Universum verleiht bewussten Wesen Sinn, sondern bewusste Wesen verleihen unserem Universum Sinn." Theisten würden hier vermutlich laut aufschreien und entgegnen, dass nur Gott bestimmt, was Sinn macht und auch er oder sie im Stande ist, menschliches Glück und Leid zu maximieren. Animisten würden entgegnen, dass es sowohl das eine wie auch das andere ist. Da auch die KI beseelt ist, spielt es überhaupt keine Rolle, ob diese ein Bewusstsein hat oder nicht.

Unter den oben gezeigten wesentlichen Weltanschauungen werden also vor allem die Humanisten ihre Mühe mit einer Superintelligenz haben, denn nur sie haben eigentlich was zu verlieren, nämlich nichts wenigeres als die Menschheit. Menschen, welche die anderen drei Weltanschauungen voraussetzen, können die Entwicklungen getrost geschehen lassen und sich schicksalhaft der Zukunft hingeben. 

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